(LL) AUE: Auerhammer hat gefeiert – dort, wo Geschichte bis heute sichtbar ist: am Herrenhaus.
Zum Jubiläum "500 Jahre Auerhammer" lud der Förderverein Herrenhaus Auerhammer am 6. Juni zum Wohngebietsfest ein. Von 11 bis 20 Uhr wurde am Hammerplatz gegessen, geredet, gespielt und erinnert. Kein Festakt mit Abstand, sondern ein Tag mitten im Ortsteil – mit Nachbarn, Familien, Vereinsleuten und vielen, die wissen wollten, was diesen Platz so besonders macht.
Der Anlass reicht weit zurück. 1526 wurde der "Uttenhofer Eisenhammer" erstmals urkundlich erwähnt. Aus diesem Hammerwerk entwickelte sich über die Jahrhunderte der Industriestandort Auerhammer. Ein erstes Herrenhaus soll sogar bereits um 1470 entstanden sein. Das heutige Herrenhaus gilt als ältester Profanbau der Stadt Aue. Vor gut 25 Jahren war davon kaum noch Glanz übrig: Das Haus war eine Ruine, der Abriss stand im Raum. Seit 2002 setzt sich der Förderverein für Erhalt, Sicherung und Sanierung ein.
Zum Jubiläum bekam der Platz vor dem Herrenhaus neue Blickfänge. Schon am 4. Juni flogen dort die Späne. Die Holzbildhauer Robby Schubert und Hartmut Rademann arbeiteten mit Kettensäge und Bildhauereisen an zwei Eichenfiguren: Rosina Schnorr und einem Metallarbeiter. Rosina Schnorr steht für eine bemerkenswerte Frau der Auerhammer-Geschichte. Nachdem ihr Mann Veit Hans Schnorr 1648 auf einer Reise nach Leipzig verschwand, führte sie die Unternehmungen weiter. Der Metallarbeiter erinnert an Generationen, die in Aue und Auerhammer mit Metall gearbeitet haben. Gemeinsam mit einer Bank sollen die Figuren künftig auch als Fotopunkt dienen.
Dass das Wohngebietsfest funktionierte, lag auch am SV Auerhammer. Der Verein hatte erst 2025 sein eigenes Jubiläum gefeiert: 105 Jahre SV Auerhammer. Diese Erfahrung half nun beim nächsten großen Geburtstag. Der Sportverein übernahm Catering und Versorgung – und zeigte damit, wie eng Vereinsleben und Ortsteil verbunden sind.
Schon vor dem Fest gab es am Herrenhaus ein stilles Zeichen: Am 27. Mai wurde ein Pilgertäubchen angebracht, eine kleine Friedenstaube. Auch das passte in den Jubiläumsbogen. Denn 500 Jahre Auerhammer erzählen nicht nur von Metall und Mauern, sondern auch von Menschen, die etwas bewahren, weitergeben und zusammenhalten.
Ein weiterer Programmpunkt folgte am 10. Juni. Im Hammerherrenhaus verlieh die Große Kreisstadt Aue-Bad Schlema ihre Ehrennadel. Ausgezeichnet wurden Hermann Meinel, Roland Trültzsch und Gunter Faber für ihr langjähriges Engagement in Heimatpflege, Kultur und Ehrenamt.
Der offizielle Höhepunkt des Jubiläums fand am 19. Juni im Metallwerk Auerhammer statt. Dort liegt der Ursprung des Ganzen – und dort wird die Geschichte bis heute fortgeschrieben. Aus dem einstigen Eisenhammer wurde ein moderner Anbieter metallischer Hochleistungswerkstoffe. Zu den Meilensteinen gehören die Entwicklung des Neusilbers durch Dr. Ernst August Geitner im Jahr 1823, kupferplattiertes Stahlblech ab 1918, metallische Sonderwerkstoffe ab 1950 und das Kaltplattierverfahren ab 1984. Heute entstehen in Auerhammer ultradünne Bänder und Präzisionsfolien bis 0,002 Millimeter Stärke.
So wurde das Jubiläum mehr als ein Rückblick. Es verband Holzspäne und Hightech, Herrenhaus und Hammerwerk, Sportverein und Stadtgeschichte. Vom fast verlorenen Gebäude zum lebendigen Treffpunkt: Auerhammer zeigte zum 500. Geburtstag, dass Geschichte nicht nur bewahrt werden kann – sie kann auch gefeiert werden. (Bildquelle: Michael Burkhardt)
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